NEIN zu Wildhüter statt Jäger

Diese Initiative schiesst aus Sicht des ganzen Kantonsrats sowie Pro Natura übers Ziel hinaus; die komplette Selbstregulierung des Wildbestandes dürfte eher zu mehr als weniger Wildschäden führen.

Die Initianten - hauptsächlich aus dem Umfeld diverser kleiner Tierschutzorganisationen - verlangen mit der Initiative «Wildhüter statt Jäger», dass der Kanton Zürich ein Wildtier-Management mit professionell ausgebildeten Wildhütern einführt, in welchem die natürliche Regulierung des Wildtierbestandes im Vordergrund steht. Dieses Wildtier-Management ersetzt die Jagd - Hobbyjagd und Milizjagd werden komplett abgeschafft. Das Eingreifen bei kranken oder verletzten Wildtieren erfolgt ausschliesslich durch vom Kanton angestellte Wildhüter. Bei Schäden durch Wildtiere - z. B. durch Wildschweine an landwirtschaftlichen Kulturen - haftet der Kanton, sofern alle zumutbaren Massnahmen zur Schadensverhinderung respektive Schadensminderung durch die Landbesitzer getroffen wurden. Die Wildhut kann nur dann regulierend eingreifen, wenn alle anderen erdenklichen Schutzmassnahmen nicht erfolgreich waren. Die anzuwendenden Massnahmen werden dabei durch eine unabhängige Fachkommission bestimmt. Diese besteht paritätisch aus Wildhütern, Wildtierbiologen, Veterinären und Vertretern aus Tier- sowie Artenschutzorganisationen. Die Kommissionsmitglieder werden alle 4 Jahre durch den Kantonsrat bestimmt. Bei Annahme der Initiative hat die Umsetzung einschliesslich der erforderlichen Gesetzesanpassungen innert 2 Jahren zu erfolgen.

Die Initianten argumentieren, dass sich die Wildtierbestände am besten selber regulieren und die Jagd diesbezüglich kontraproduktiv einwirke. In jagdfreien Gebieten würde es weniger Strassenunfälle mit Wildtieren geben, und es wären vermehrt Wildtierbeobachtungen möglich. Jagd sei kein nachhaltiger Tierschutz, auch schütze sie nicht vor Tierkrankheiten, sie sei im Gegenteil ein Stress und somit ein Krankheitstreiber für die Wildtiere. Ein kantonales Wildtiermanagement durch Wildhüter sei sicherer als die Jagd durch private Jäger. Es werde keine Jagdunfälle und Fehlabschüsse mehr geben und nicht zuletzt funktioniere das im Kanton Genf auch, wo die Milizjagd seit 1974 abgeschafft ist.

Die Initiative «Wildhüter statt Jäger» enthält sicher ehrenwerte Elemente, sie schiesst aber - nicht nur aus Sicht der EVP-Fraktion, sondern aus Sicht aller 180 Mitglieder des Kantonsrats - weit übers Ziel hinaus und wird deshalb dem Zürcher Stimmvolk zur Ablehnung empfohlen. Die Initiative wird übrigens auch von Pro Natura - abgelehnt. Eine komplette Selbstregulierung des Wildbestandes würde unseres Erachtens nicht zu weniger, sondern zu wesentlich höheren Wildschäden führen. Auch die grundsätzliche Abschaffung der Jagd und die komplette Ablösung aller Jäger durch ein paar wenige Wildhüter wird den Herausforderungen im Kanton Zürich nicht gerecht. Der Kanton Genf, der von den Initianten als Vergleich bemüht wird, lässt sich definitiv nicht mit Zürich vergleichen. Der Kanton Zürich stellt bereits heute ein professionelles Wildtiermanagement sicher.

Damit die Jagd auch langfristig in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz aufweist, dürfte es aber von zunehmender Wichtigkeit sein, dass im Rahmen der neuen Jagdgesetzgebung der Lebens- und Artenschutz besonders hervorgehoben wird. Die Jägerschaft soll einen Leistungsausweis für die biologische Vielfalt im Kanton Zürich vorweisen können. Eine nachhaltige und zeitgemässe Jagd setzt sich aktiv mit der heimischen Tierwelt als Bestandteil unserer Kulturlandschaft auseinander. Auch in der Aus- und Weiterbildung der Jägerschaft soll neben jagdlichen Fähigkeiten noch stärker Gewicht auf Lebensraum- und Artenschutz gelegt werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Jagd grundsätzlich stärker auf ökologische Zielsetzungen auszurichten ist - aber sicher nicht grundsätzlich in Frage zu stellen bzw. abzuschaffen. Wir empfehlen Ihnen, diese Initiative abzulehnen.

Parolen für 17. November 2019

Kommunal

JA zur Totalrevision der KEZO-Statuten