Parteiversammlung der EVP Uster zur Frage, ob Uster von ausserregional produzierter Energie unabhängig werden könnte
Die EVP Uster hat ihre Mitglieder am vergangenen Freitag zur Parteiversammlung auf den Birkenhof an der Wührestrasse eingeladen. Die Versammlung wurde umrahmt von einer Führung durch Betriebsleiter Martin Pfister und einem Apéro mit lokalen (Birkenhof)-Produkten. Im Kleinen verfolgt der Birkenhof im Verbund mit andern Landwirtschaftsbetrieben genau das, was sich die EVP für die ganze Stadt Uster vorstellt: Die Produktion wurde und wird sukzessive auf Selbstversorgung umgestellt. So wird dem Vieh seit diesem Jahr ausschliesslich auf dem eigenen Betrieb produziertes Kraftfutter verfüttert und die Wärmeversorgung soll schon bald zu 100 Prozent mit Holz aus dem eigenen Wald erfolgen. Andere Projekte wie das einer lokalen Biogasproduktion möchte der Betrieb gemeinsam mit andern Ustermer Unternehmen realisieren, um einen Beitrag zur lokalen Verwertung der Ustermer Grünabfuhr leisten zu können. Zurzeit fehlt leider die Unterstützung der Stadt, unsere Grünabfälle werden ausserhalb der Region zu Energie verarbeitet.
Mit der Vision für eine nachhaltige Energie- und Umweltpolitik für die Stadt Uster sieht die EVP die Chance für eine eigenständige, innovative und imagefördernde Wirtschafts- und Energiepolitik. Ziel ist es, möglichst den gesamten Energiebedarf umweltverträglich selbst zu produzieren oder über Dienstleister aus der Region zu beziehen. Insbesondere die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Gas, aber auch von Kernenergie soll auf ein absolutes Minimum reduziert oder aber ganz eliminiert werden. Gleichzeitig soll der Energiebedarf durch effiziente Technologien und bewusstes NutzerInnenverhalten gesenkt werden. Um diese Ziele erreichen zu können, will die EVP Uster die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung stärken. Dazu gehören unter anderem, lokale Energieversorgungen sichtbar zu machen, für das Energiesparen zu sensibilisieren, Beratung für Bauherren und die Wirtschaft anzubieten, oder bei schweizweit verbreiteten Aktionen wie beispielsweise Mobilitätstagen mitzumachen.
Um der Vision näher zu kommen, ist gemeinsames Handeln von Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Landwirtschaft, Institutionen und Privatpersonen nötig. Die EVP ist überzeugt, dass sich solche Bestrebungen auch aus ökonomischer Sicht langfristig lohnen: Denn nicht nur die Öl- und Gaspreisentwicklung ist ungewiss, auch Atomstrom dürfte künftig teurer werden. Auf Basis einer entsprechenden Strategie sollen zunächst Schwachstellen benannt werden, das Verbesserungspotenzial beziffert werden und danach klare Zielsetzungen respektive ein Aktionsplan mit Projekten und Aktivitäten ausgearbeitet werden. Kritisch wurde abgewogen, ob Uster wirklich das Potenzial hat, zu einem Energie-Selbstversorger werden zu können. Die EVP-Mitglieder kamen einstimmig zum Schluss, dass dies langfristig möglich wäre. Bislang beschränkt sich Uster auf die Zertifizierung mit dem Label Energiestadt. Konkrete Vorgaben beispielsweise für Gebäudeinstandsetzungen nach dem MINERGIE P Eco- oder künftig MINERGIE ALabel oder eine Mobilitätsstrategie fehlen. Das Energiekonzept ist beinahe 15 Jahre alt, rudimentär und enthält keine griffigen Zielsetzungen. Die sich zu 100 Prozent in städtischem Besitz befindliche Energie Uster AG verfolgt eine sehr konservative Politik, der seit Kurzem existierende Ökofonds wird erst zaghaft eingesetzt. Angebote wie eine Solarstrombörse oder Geschäftsaktivitäten wie der Betrieb von Fotovoltaikanlagen im Contracting oder die Realisierung weiterer Kleinwasserkraftwerke fehlen gänzlich.
Was Uster für eine nachhaltige Energie- und Umweltpolitik unternehmen könnte, müsste genauer analysiert und vertieft evaluiert werden. Mit Sicherheit liessen sich aber verschiedenste Projekte relativ rasch und erfolgreich initiieren. Als Musterbeispiel dient der EVP die Stadtgemeinde Güssing in Österreich, die ihr Energiesystem bereits erfolgreich weitgehend auf einheimische und erneuerbare Energien umgestellt hat. Sie wurde dadurch von einer der ärmsten Regionen Österreichs zur Öko-Musterstadt Europas. Betriebsansiedlungen, neue Arbeitsplätze und grosse Wertschöpfung prägten diese Stadt in den letzten Jahren. Möglich wurde dies mittels Biogasanlagen, thermischen Solaranlagen, Holzschnitzelheizungen und Windkraftwerken, die in Energieverbünden mehrere Tausend Haushalte beliefern.
EVP-Kantons- und Gemeinderat Walter Meier hat im vergangenen Herbst eine Motion zur nachhaltigen Energie- und Umweltpolitik eingereicht. Der Gemeinderat hat diese leider abgelehnt. Die EVP wird sich deshalb auf verschiedene Vorstösse zu einzelnen Aspekten konzentrieren. Als wichtigen Schritt in diese Richtung unterstützt die EVP die von den Grünen eingebrachte Volksinitiative, welche die Nachhaltigkeit und die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft respektive die Förderung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energie sowie die Reduktion des CO2-Ausstosses auf eine Tonne pro Einwohnerin und Einwohner pro Jahr verlangt.




